März 2006

Wasser-/Abwassernachrichten

(News-Archiv)

Ohne Rohrleitungsnetze läuft nichts

Innovations Report, 31.03.2006

Infrastruktur für Wasserver- und Abwasserentsorgung als Themenschwerpunkt der Pipeline Technology 2006 in Hannover

... Angesichts der fortbestehenden Defizite in der Trinkwasserversorgung hat das Water Supply and Sanitation Collaborative Council (WSSCC) in seinem Report VISION 21 einen Katalog von Entwicklungszielen als Ergebnis des Zweiten Weltwasserforums in Den Haag im März 2000 definiert:

· bis 2015 soll der Anteil der Menschen halbiert werden, die ohne dauerhaften Zugang zu Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität und zu erschwinglichen Preisen sind,

· bis 2015 soll der Anteil der Menschen halbiert werden, denen es an hygienisch ausreichenden Sanitäreinrichtungen fehlt,

· bis 2025 sollen sichere Sanitärversorgung und ausreichende, sichere Trinkwasserversorgung für alle Menschen weltweit gewährleistet sein.

Diese Ziele zu erreichen, ist eine Aufgabe von technisch und ökonomisch gigantischen Größenordnungen. Um die VISION-21-Ziele zu erreichen, müssen in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik zusammen bis 2015 jeden Tag 280 000 Einwohner zusätzlich an die Wasserversorgung angeschlossen werden (1,5 Milliarden insgesamt) und täglich 384 000 Einwohner (2,2 Milliarden insgesamt) zusätzlich mit angemessener Sanitärausstattung versorgt werden. Im Vergleich bedeutet dies: täglich ein neues Trinkwassersystem für die Stadt Karlsruhe zu schaffen und eine vollständige Abwasserentsorgung für die Stadt Bochum - Samstage und Sonntage eingeschlossen. ...

Über 700 Milliarden Euro beträgt der Wiederbeschaffungswert der Trink- und Abwassersysteme in Deutschland - das ist weit mehr als der Wert sämtlicher deutscher Straßen zusammen, der "nur" bei rund 460 Milliarden Euro liegt!

... Die vom 24. bis 28. April 2006 laufende Fachmesse Pipeline Technology findet im Rahmen der diesjährigen HANNOVER Messe statt. Gesamtzusammenhänge herstellen und Synergien bieten - quasi "das Rohr im Systemzusammenhang" So global wie die Wasser- und Abwasserproblematik, so global ist der Denkansatz der Pipeline Technology angelegt, der letztendlich sogar noch über diese Einsatzbereiche hinaus geht: In Hannover werden Rohre in wirklich allen Anwendungsvarianten von der Ölpipeline bis zur Chemikalienleitung im Industriebetrieb thematisiert. Und das mit allen Randaspekten von der Planung über den Bau bis zum technischen Betrieb von Leitungen und Netzen einschließlich Mess-, Steuer- und Regeltechnik. [weiter]


Päckchenweise sauberes Wasser

Wissenschaft, 31.03.2006

Forscher stellen tragbares Wasseraufbereitungssystem für den Hausgebrauch vor
Chemiker haben ein sehr kleines, billiges und leistungsstarkes System zur Trinkwasseraufbereitung entwickelt. Jede Einheit ist dabei nur etwa so groß wie eine Ketchup-Flasche und fungiert als chemischer Filter: Wird sie zu verunreinigtem Wasser hinzugegeben, reduzieren sich die durch Erreger im Wasser verursachten Durchfallerkrankungen drastisch. Einsatzmöglichkeiten sehen die Forscher in Entwicklungsländern, aber auch nach Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hochwasser oder Wirbelstürmen. ...


Die nun entwickelten kleinen Pakete enthalten graues Pulver, das aus einer Vielzahl von Chemikalien besteht. Zur Wasseraufbereitung wird ein solches Paket in einen großen Behälter mit unreinem Wasser gegeben, das Wasser danach umgerührt und durch ein Stück Stoff gefiltert. Nach etwa 20 Minuten habe sich das verschmutzte Wasser in klares, sauberes Trinkwasser verwandelt, sagen die Forscher. In der Kombination vernichten die Chemikalien nämlich die Erreger, die Cholera, Typhus und Durchfall verursachen. Außerdem entfernen sie eine Vielzahl von giftigen Metallen und anderen Giftstoffen, erklärt Allgood. Ein einziges dieser Pakete, die nur wenige Cent kosten sollen, kann genügend Wasser aufbereiten, um einen typischen Haushalt für zwei bis drei Tage zu versorgen. Da die chemischen Pakete so klein und handlich sind, können sie auch in abgelegenen Gegenden und Notfallsituationen eingesetzt werden. ... [weiter]

 

Verstärkter Kampf gegen illegale Abwasser- und Abgasableitung

China.org, 27.03. 2006

In diesem Jahr will die zuständige Behörde in China den Kampf gegen illegale Ableitung von Abwasser und Abgas durch Unternehmen fortsetzen. Damit soll die Gesundheit der Bevölkerung geschützt werden.

Das teilte Zhang Lijun, Vizedirektor des Staatlichen Amts für Umweltschutz, auf einer entsprechenden Konferenz mit.

Die zuständigen chinesischen Behörden kontrollierten im vergangenen Jahr 560.000 Betriebe und deckten dabei 14.000 Fälle rechtswidriger Schafstoffemission auf.

 

 

Ausverkauf der Städte in NRW

Welt am Sonntag, 19.03.2006, von Wolfgang Pott

Verschuldete Gemeinden veräußern alles, was Abnehmer findet. Eine zweifelhafte Strategie

Die Kreisstadt Wesel am Niederrhein ist den anderen Gemeinden im Land schon lange einen Schritt voraus. Im Zuge der ersten Welle der Privatisierung hatte das Entsorgungsunternehmen Edelhoff den Zuschlag für die städtische Müllabfuhr erhalten. Doch in den folgenden Jahren war dieser Vorgang für die Bürger teurer als zuvor. So gab es Ende der 80er Jahre erneut eine öffentliche Ausschreibung, in der die Stadt das beste Angebot abgab, den Zuschlag erhielt und so die Müllabfuhr zurückholte.

Mehrere 100 000 Euro konnten seitdem gespart werden, zur Freude der Stadtbewohner. Zwar ist Wesel immer noch hoch verschuldet mit über 120 Millionen Euro und damit einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 2000 Euro. Doch ohne die geglückte "Rückholaktion" würde Wesel noch schlechter dastehen.

Rekommunalisierung nennen Fachleute einen solchen Vorgang. In NRW ist dieser Begriff noch ein Fremdwort, weil der damit verbundene Vorgang so selten genutzt wird. Stattdessen verkaufen Städte und Gemeinden im Land alles, was sie loswerden können. Die Finanznot treibt sie an. ...

"Die Städte verlieren dadurch ihren Gestaltungsspielraum bei der Daseinsvorsorge", sagt Franz Michelbrink, Dezernent der Stadtverwaltung Wesel.

... Doch es gibt noch eine zweite. Der Verkauf des städtischen Eigentums führt nicht immer automatisch zu einer besseren Finanzlage. Das mag zwar kurzfristig der Fall sein. Langfristig werden viele Städte aber wieder von dem finanziellen Desaster der Vergangenheit eingeholt. ... [weiter]

 

Proteste bei Wasser-Konferenz in Mexiko

 Netzeitung, 17.03.2006

Nach der Eröffnung des 4. Weltwasserforums in Mexiko-Stadt haben mehr als 10.000 Kleinbauern, Gewerkschafter und Umweltschützer gegen Großprojekte und die Privatisierung der Wasserversorgung demonstriert. ... Der mexikanische Präsident Vicente Fox hatte das Weltwasserforum zuvor mit dem Aufruf für eine «neue Wasserkultur» eröffnet.

«Wir müssen unser Verhalten ändern, um zu überleben», sagte Fox vor ausgewählten Staatsgästen. Wasser sei ein «unverzichtbares Menschenrecht». ...

... Nach Angaben der Vereinten Nationen haben weltweit rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser. Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser nimmt weiter ab.

Der französische Wassermanager Loïc Fauchon kritisierte auf dem Forum, dass weltweit nur fünf Prozent der öffentlichen Mittel in den Wassersektor gesteckt würden. ... [weiter]

 

Töpfer hält Kriege um Wasser für denkbar

der Standart, 17.03.2006

UNEP-Direktor fordert nachhaltige Umweltpolitik Trennlinie München/Mexiko - Klaus Töpfer, der scheidende Direktor des UNO-Umweltprogramms (UNEP), hält Kriege und Konflikte um Wasser für denkbar. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er am Donnerstag, die zunehmende Zahl von Menschen auf der Erde und die fortschreitende Verstädterung ließen Wasser vielerorts zu einem knappen Gut werden. Zur Vermeidung von Konflikten um den kostbaren Rohstoff forderte Töpfer eine vorsichtige Verwendung der Ressource Wasser. Unter anderem müsse mehr in Wasserverteilungssysteme investiert werden. ... [weiter]

 

Kleinsten Lecks auf der Spur

Die Zeit, 16.03.2006

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) in Magdeburg haben einen Roboter erfunden, der mit Hilfe von Sensoren Kanalsysteme untersucht und die Wartung und Instandhaltung erleichtert. ...

"Im Unterschied zu üblichen Kanal-Robotern, die an den Bediener Videobilder senden, haben wir ein Sensorsystem entwickelt, das vollautomatisch alle wichtigen Daten misst", erklärt der Automatisierungstechniker.

Dabei werden große Datenmengen erzeugt. Um diese zu auszuwerten und zu archivieren, haben die Forscher eine Software entwickelt, die die Messdaten mit genauen Positionsdaten, Datum und Uhrzeit versehen. "So lässt sich auch Jahre später per Mausklick nachvollziehen, wie sich etwa ein Riss ausgeweitet hat", erläutert Elkmann.

Prototypen der drei Roboter, die sich die Aufgaben Inspektion, Reinigung und Vermessung teilen, wurden bereits getestet. Für die Erstinspektion wird ein schwimmender Roboter eingesetzt, der mit Scheinwerfern und Blitzlichtern die Röhre erhellt, um sie zu fotografieren. Die Lage unter Wasser überprüfen Ultraschallsensoren. Über ein Datenkabel werden die Informationen an den Überwachungsrechner gesendet. ... [weiter]

 

Wasser- und Umweltkrise in China nimmt dramatisch zu

 Emfis,16.03.2006

Die Wasserkrise Chinas, vor allem im Trinkwasserbereich, nimmt erheblich zu, dass berichtet die "The China Post". ... Die toxische und chemische Belastung nimmt dramatisch zu, so Pan Yue vom Uweltschutzministerium. Gegenüber einer Gruppe von US-Journalisten erläuterte er, dass inzwischen von verunreinigtesmTrinkwasser etwa 340 Mio. Menschen, vor allem im ländlichen Bereich, betroffen sind. Schlicht gesagt: Es fehlt an sauberen Trinkwasser.
... Dabei tickt im Uweltbereich eine Zeitbombe, welche immer schwerer beherrschbar sein wird. ... [weiter]

 

Wasser soll bis an die Basis tropfen

Swissinfo, 16.03.2006

... Das 4. Weltwasserforum, organisiert vom World Water Council (WWC) und der mexikanischen Regierung, versammelt rund 130 Regierungsmitglieder sowie Vertreter internationaler Agenturen, lokale Politiker, Nichtregierungs-Organisationen (NGO) und Vertreter der Wirtschaft in Mexikos Hauptstadt.

Das Motto "Lokal Handeln für eine weltweite Herausforderung", sagen die Organisatoren, sei gewählt worden, weil der Umgang mit Wasser bei Konsumenten und lokalen Behörden eine Schlüsselgrösse sei, um die Milleniums-Entwicklungsziele der UNO (Millenium Development Goals, MDG) zu erreichen. ...[weiter]

 

Auf dem See, aber am Verdursten

Tagblatt, 16.03.2006

 In Mexiko-Stadt, Ballungsraum mit über 20 Millionen Einwohnern, ist sauberes Trinkwasser knapp

Die mexikanische Metropole ist auf fünf weitgehend zugeschütteten Seen aufgebaut und erhält im Jahresdurchschnitt 750 Millimeter Niederschlag. Eine stattliche Menge, die bisweilen sogar zu Überschwemmungen führt. Dennoch wird das Trinkwasser in der Stadt immer knapper. Rund eine Million der über 20 Millionen Bewohner leben heute ohne Anschluss ans Wasserleitungssystem. Bei vielen anderen passiert es immer öfter, dass Lavabo oder Dusche trocken bleiben, wenn sie den Hahn aufdrehen. Der Grundwasserspiegel sinkt

Hauptproblem der Stadt ist, dass sie ihren enormen Bedarf seit Jahren nicht mehr aus Grundwasserreservoiren decken kann. Die vor 500 Jahren offenen, heute unterirdischen Seen genügen nur für etwa die Hälfte des Konsums. Und selbst so zapft die Stadt mehr ab, als sie sollte. Der Grundwasserspiegel sinkt jährlich um mehrere Meter.... [weiter]

 

England muss Wasser sparen

tirol.com, 13.03.2006

Der trockenste Winter seit Menschengedenken und eine veraltete Kanalisation sorgen in England für gröbere Wasserengpässe.

Wegen eines extrem trockenen Winters dürfen demnächst in Millionen Gärten weder Gartenschläuche noch Sprinkleranlagen benutzt werden, wie das größte britische Wasserunternehmen Thames Water am Montag mitteilte. Betroffen sind acht Millionen Menschen im Großraum London und einigen benachbarten Regionen. Bei Verstößen müssen ab April bis zu 1500 Euro Strafe gezahlt werden. ...

Nicht nur das Wetter, auch das veraltete Kanalisationssystem trägt zur Knappheit bei. ... Durch undichte Rohre geht laut Experten jeder dritte Liter Wasser verloren. [weiter]

 

Sanftes Gleiten

Telepolis, 11.03.2006, Andrea Naica-Loebell

Naturwissenschaftler diskutieren darüber, wie Schlittschuhe über das Eis flitzen Dieser Winter war besonders schneereich, kalt und will überhaupt nicht aufhören. Trotz meteorologischem Frühlingsanfang ist nach wie vor alles gefroren und jeder Spaziergang birgt das Risiko, den Halt zu verlieren und hinzufallen. Denn Eis ist rutschig. Warum das so ist, darüber streiten die Physiker und Chemiker immer noch. ...

Aber die Alltagserfahrung hilft den Physikern und Chemikern nicht wirklich weiter. Eine Weile waren die Wissenschaftler überzeugt, dass Eis so rutschig ist, weil die Belastung durch die schmalen Kufen so viel Druck erzeugt, dass ein Schmelzeffekt eintritt und der Eisläufer auf dem so unter seinen Schlittschuhen entstehenden Wasserfilm über die gefrorene Fläche gleitet. So steht das bis heute in vielen Schulbüchern. ...

Theoretisch ist das zwar richtig, denn Druck lässt Eis schmelzen, sehr viel Druck verändert überhaupt die Eigenschaften gefrorenen Wassers fundamental. Aber ein Mensch erzeugt mit gängigen Schlittschuhen nur einen geringen Druck, der nicht ausreicht, um einen wirkungsvollen Druckschmelzprozess zu produzieren. Außerdem rutschen auch Spaziergänger auf flachen Schuhen auf Eis – und der unter ihren Sohlen erzeugte Druck ist entsprechend geringer. Das kann es also nicht sein.

Eine weitere Theorie besagt, dass durch die Reibung der Metallkufen das Eis erhitzt wird und vorübergehend schmilzt, der Schlittschuhläufer schwimmt ganz kurz auf der dünnen Flüssigkeitsschicht, bevor sie sich wieder verfestigt. Und der neueste Ansatz besagt, dass Eis ganz schlicht immer von einer Art quasi-flüssigem Wasserfilms bedeckt ist. Die Wassermoleküle an der Eisoberfläche vibrierten mehr als die vollständig eingebundenen, die Kristallgitterstruktur ist schwächer und so bildet sich eine ständige Schmiere, auf der die Eisläufer sich bewegen können. Entsprechende Versuche veranstaltete Gabor A. Somorjai vom Lawrence Berkeley National Laboratory, und Volker Winkler von der Technischen Universität Ilmenau gelang in Deutschland die Resultate zu bestätigen.

Tatsächlich hat die Praxis gezeigt, dass Eistänzer auf weicherem, wärmerem Eis besser ihre Figuren fahren können, während Eishockeyspieler härtere und etwas kältere Eisflächen bevorzugen – es ist "schneller". ... [weiter]

 

Koalition steht zum Steuerprivileg für Abwasserbeseitigung

Verivox, 10. 03.2006

Die kommunale Wasserwirtschaft bleibt unangetastet

Zu den Befürchtungen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, dass durch Bundesratsinitiativen die steuerliche Einordnung der Abwasserentsorgung in Frage gestellt werden könnte, erklärt ... CDU/CSU-Bundestagsfraktion...:

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion steht zu ihrer im Koalitionsvertrag festgelegten Haltung. ...

Die Kommunen sollen auch in Zukunft eigenständig über die Organisation der Wasserversorgung wie auch der Abfall- und Abwasserentsorgung entscheiden können. Das Steuerprivileg für Abwasser- und Abfallentsorgung wird beibehalten. [weiter]

 

Verbände der Wasserwirtschaft übergeben "Branchenbild 2005"

Finanz Nachrichten, 08.03.2006

Die Verbände der Wasserwirtschaft legen mit dem "Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2005" erstmalig ein umfangreiches Gesamtbild der Wasserbranche in Deutschland vor. Die sechs beteiligten Verbände der Wasserwirtschaft veranschaulichen mit dem Bericht den Leistungsstand und die wirtschaftliche Effizienz der Wasserwirtschaft. In Bezug auf die geplante Modernisierungsstrategie für den ordnungspolitischen Rahmen der Wasserwirtschaft wird Politik, Öffentlichkeit und allen Interessierten damit ermöglicht, die Leistungsfähigkeit der deutschen Wasserwirtschaft umfassend zu beurteilen. ... [weiter]

 

Kläranlagen-Wasser für saftig-grünen Golfrasen

NÖN, 08.03.2006

... Es ist eine wahrlich nicht alltägliche Kooperation, die Vizebürgermeister Andreas Holzmann und Silvia Drechsler als zuständige Stadträtin (beide SPÖ) da eingefädelt haben. „Ein umweltpolitischer Meilenstein. ...

Erstmals soll gereinigtes Abwasser aus der Mödlinger Kläranlage weiterverwendet werden. ... Nun erhält auch der Golfclub Brunn einen Teil davon. 180.000 Kubikmeter pro Jahr zur Bewässerung seiner ausgedehnten Rasenflächen. „Warum soll Trinkwasser zum Gießen verwendet werden, wenn es andere Möglichkeiten gibt?“ so Holzmann. 20.500 Euro erhält die Stadtgemeinde jährlich als „Unkostenbeitrag“. Die Leitungen werden allesamt auf Kosten des Golfclubs hergestellt. ... [weiter]

 

Neue BAM-Fachgruppe I.5 Bioanalytik

Click mall,06.03.2006

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung hat die neue Fachgruppe I.5 Bioanalytik gegründet. Vor allem eine bessere nationale Infrastruktur für Bioanalytik ist die Zielsetzung der Initative.

Die Fachgruppe besteht zunächst aus zwei Arbeitsgruppen, die sich schwerpunktmäßig mit immunchemischen Methoden ... beschäftigen. ... Erste Arbeiten zur Herstellung einer Messfähigkeit von östrogenen Hormonen im sub-ppt-Bereich im Abwasser (Prozessanalytik und Umweltmonitoring) mittels Immunoassays sind auf den Weg gebracht. ... [weiter]

 

Aufklärung im Namen der Schüssel

 Mein Berlin, 05.03.2006

Die German Toilet Organization („Deutsche Toilettengesellschaft”) kämpft für mehr, besser ausgestattete und häufiger gewartete Klos in Deutschland. Ein nobles Unterfangen!

Nach Angaben des innovativen Vereins „produziert” ein Mensch in Deutschland pro Jahr etwa 500 Liter Urin, 50 Liter Fäkalien, aber etwa 100.000 Liter „Grauwasser”. ... Diese und andere Tatsachen möchte die „GTO” bekannt machen, und das lästige Tabu rund um das Thema Toilette brechen.

Hauptanliegen der GTO für Deutschland sind Fragen wie:

  • Warum müssen Frauen längere Wartezeiten auf dem Klo in Kauf nehmen?
  • Wo finden Menschen mit besonderen körperlichen oder geistigen Einschränkungen ein „würdiges Örtchen”?
  •  Wie wichtig sind saubere Toiletten für das Image von Deutschland als Tourismus-Standort oder WM 2006-Ausrichter?
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Wieviel Zuviel ist noch wenig genug?

Freitag , 03.03.2006; von H.H. Dieter

Qualität aus der Mineralwasserflasche? Das ästhetische Konzept von Reinheit erfüllt sich erst im Wasserkreislauf ...

Der weltweite Konsum in Flaschen abgepackten Wassers ist auch in Europa weiter auf dem Höhenflug, wie kürzlich das Earth Policy Institute (Institut für Erdpolitik) meldete. Kein Wunder, möchte man meinen, sehen sich viele Menschen angesichts der Arzneimittelfunde an unterschiedlichen Stellen des Wasserkreislaufs doch vor die Frage gestellt, ob ihr tägliches Trinkwasser überhaupt noch genießbar sei. Ist es nicht eklig, sich morgens mit Wasser die Zähne zu putzen, das Spuren der Pillen des Nachbars enthält, die er zur Senkung seines Blutfettgehaltes eingenommen und danach auf natürliche Weise entsorgt hat? Muss ich unbedingt Spuren eines Röntgenkontrastmittels aus dem Abwasser des Kreiskrankenhauses von nebenan in mich aufnehmen - selbst wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind ? ...

Belastungsminimierung oder Null-Toleranz?

... Vergleichsmaßstab zur Feststellung ekelerregender Eigenschaften ist die allgemeine Auffassung, der zufolge Trinkwasser appetitlich zu sein hat und zum Genuss anregen soll. Doch welcher Kontaminationsgrad eines Trinkwassers, selbst weit unterhalb gesundheitlich begründbarer Konzentrationen, wäre denn gegebenenfalls nicht mehr verkehrs- respektive verzehrfähig?

... Wäre denn die ästhetisch motivierte Forderung nach absoluter "Null-Toleranz" wirklich eine Alternative? Muss unsere Erwartung an die Reinheit von Trinkwasser wirklich immer intoleranter werden und sich dadurch zur Gefangenen der chemischen Analytik machen? Spätestens, wenn absolute "Reinheit" mit dem wasserwirtschaftlich sinnvollen Kreislaufprinzip in Konflikt geriete, würde sie sich ad absurdum führen.

... Einer sozialpsychologischen Studie zufolge (Independent vom 17. 1. 2005) gilt Wasser in persönlichen Mitnahmepackungen geradezu als natürliches Gegengift und Hort der Reinheit gegen die chemischen und technischen Zumutungen der modernen Welt. Wassergefüllte Plastikflaschen sind deshalb mittlerweile so allgegenwärtig wie Handys. Beide stehen, so die Studie, für den trügerischen Glauben an die individuelle Beherrschbarkeit des modernen Lebens. Der letzte Modeschrei verlangt gar, das abgepackte Wasser zu einer Art bewusstseinserweiterndem Aquazeutikum aufzupeppen. Wer darauf baut, ist bereit, für kaum einen Liter fast jeden Preis aufzuwenden. Die preisgünstige und ökologisch stimmige (Bewusstseins)steigerung von "Trink was" zu "Trinkwasser" gerät darüber aus dem Bewusstsein.

... Wir wissen heute, dass dieser enge Rund-Blick beschränkt ist. Individuelle Bedenken um Hygiene und Ästhetik der privaten Umwelt werden nicht mehr bedenkenlos in die Umwelt entsorgt, sondern in der Kläranlage geklärt. Hierfür gibt es längst fortgeschrittene Techniken, die allerdings von der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten abhängen und nicht immer der "Null-Toleranz" genügen können. Der Drang zum Konsum ultra-reiner "Privatwässer" hält wohl auch deshalb ungebremst an. Die Steigerung von "Trink was" zum zentral bereitgestellten "Trinkwasser" ist seit Jahren in der Defensive. Einmalige Wasserressourcen werden privatisiert, auf Flaschen gezogen und weltweit zu horrenden Preisen angeboten. Die an Ort und Stelle Bedürftigsten können sie nicht einmal bezahlen. Der Transport der Kostbarkeit über zum Teil immense Entfernungen verschlingt Energie, und Einwegflaschen lassen die Müllhalden wachsen.

Demgegenüber ist die zentrale Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser fast schon praktizierte Sozialethik. Jedenfalls ist sie "nachhaltig" und rundum "gesellschaftsfähig". Im Vergleich zur zentralen Trinkwasserversorgung sind weder die alte, gesellschaftlich sorglose Verschmutzungstoleranz, noch die neue, hedonistisch-besorgte und puristisch überzogene Intoleranz sozialethisch oder ökologisch belastbar. Wasserwirtschaftlich sind beide Haltungen sogar blödsinnig, weil sie dem Kreislaufprinzip widersprechen.

... So fügt die technische Nutzung der natürlichen Gesetzmäßigkeiten die wirtschaftliche, ökologische und sozialethische Sicht auf das tägliche Wasser auf das Schönste zusammen. Abwasser wird zum wertvollen Wirtschaftsgut. Dies kommt langfristig sowohl der Reinheit des Trinkwassers als auch dem nachhaltigen Schutz der aquatischen Umwelt zugute: Das geklärte (Ab)Wasser ist innerhalb regionaler Kreisläufe zurückzuholen und immer wieder zu nutzen, statt nach und nach alle Berg- und sonstigen Seen leer laufen zu lassen, zu verschmutzen oder mit Nitrat und Phosphat zu überfüttern.

... Das so skizzierte ganzheitliche, das heißt wasserwirtschaftlich-gesundheitlich-ästhetische Konzept setzt allerdings eine gewisse Kompromissbereitschaft hinsichtlich überzogener puristischer Erwartungen an die Reinheit des Lebensmittels "Trinkwasser" voraus. Ein individualistisch-hedonistischer Anspruch auf Ur-sprünglichkeit und absolute Reinheit des täglichen Trinkwassers hat in ihm keinen Platz. [weiter]