November 2010

Wasser-/Abwassernachrichten

(News-Archiv)

Klimawandel: Wasserreservoir Gletscher - Innsbrucker Klimatologen fordern differenzierte Diskussion

idw-online.de, 08.11.2010

Die Gletscher der großen Gebirgsregionen tragen zum Teil beträchtlich zur Wasserversorgung von bestimmten Siedlungsgebieten bei. Allerdings gibt es dabei bedeutende regionale Unterschiede, wie Innsbrucker Gletscher- und Klimaforscher in einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) belegen.

In ihrer jetzt veröffentlichten Studie zeigen die Gletscher- und Klimaforscher vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck, dass Gletscher regional sehr unterschiedlich zur Wasserversorgung von Siedlungsgebieten beitragen. Die Wissenschaftler haben dazu erhoben, wie viel Niederschlag auf einzelnen Gletscher niedergeht und zu welchem Zeitpunkt dieses Wasser wieder abgegeben und damit in Siedlungsgebieten verfügbar wird. (...) Die Innsbrucker Forscher haben einen Index berechnet, aus dem sie ablesen können, wie hoch die Abhängigkeit der Menschen einer bestimmten Region vom Gletscherwasser ist. Dabei zeigt sich, dass vor allem hochgelegene Gebiete stark vom Gletscherwasser abhängig sind, die Bevölkerungsdichte dort aber meist relativ gering ist. „Kritisch ist die Situation vor allem in mittleren Höhen, wo bereits viele Menschen leben und das Gletscherwasser immer noch einen hohen Anteil zum verfügbaren Wasser beiträgt“, so die Klimaforscher.

Anstoß für die Studie war die verbreitete Diskussion um den Einfluss des Klimawandels auf die Wasserversorgung von großen Siedlungsgebieten. Es sei stark übertrieben, dass das Abschmelzen der Gletscher die Wasserversorgung von 2 Milliarden Menschen gefährde. Mit der aktuellen Studie wollten die Innsbrucker Wissenschaftler auf die erheblichen regionalen Unterschiede aufmerksam machen. „Denn für kleinere Gemeinschaften in Gebirgen kann die erwartete Klimaentwicklung durchaus eine existenzielle Bedrohung darstellen.“
Grundlage für die Untersuchung waren Daten aus Gletscherinventaren, globale Temperatur- und Niederschlagsdaten und ein digitales Geländemodell. Untersucht wurden Einzugsgebiete rund um den Himalaya, in den Anden, am Kaukasus, in Sibirien, Nordamerika und Neuseeland. „Es ist im Grunde ein sehr einfacher Forschungsansatz, der aber wichtige Argumente für eine differenziertere Diskussion in der Klimaforschung liefert“, freut sich Kaser über das Ergebnis der Studie, die nun in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde. „Wir liefern damit auch in Hinblick auf den nächsten Bericht des Weltklimarats (IPCC) die Grundlage für regional präzisere Aussagen und zeigen, dass einige Gebiete mehr und andere weniger stark von den erwarteten Veränderungen betroffen sein werden“. [weiter]

 

Blei ist überall – im Wasser, im Boden, in der Nahrung

tagesanzeiger.ch, 04.11.2010

Rund 100 Millionen Menschen sind gefährlichen Giften ausgesetzt – täglich. Green Cross Schweiz hat die schlimmsten Gifte eruiert.

Mehr als 160 Menschen starben Anfang Jahr in Nigeria an einer Bleivergiftung, Hunderte, vor allem Kinder, wurden krank. Arbeiter hatten in verschiedenen Dörfern Gestein aus einer kleinen Goldmine gebrochen. Was die Männer nicht wussten: Der entstandene Staub enthielt giftiges Blei.

Die tragische Geschichte steht für die schlimmsten Gifte, die weltweit verbreitet sind. Green Cross Schweiz und das amerikanische Blacksmith-Institut analysierten in über 40 Ländern mehr als 1000 Studien und stellten dabei fest, dass das Problem größer ist als bisher angenommen. «Etwa 100 Millionen Menschen in Entwicklungsländern sind einem Risiko ausgesetzt», sagt Richard Fuller vom Blacksmith-Institut.

Zuoberst auf der Rangliste steht das Schwermetall Blei, das oft bei Schmelzprozessen von Erzen und im Bergbau als Abfall zurückbleibt. Zudem ist es ein wichtiger Bestandteil in Autobatterien. Blei ist bei Verschmutzungen in der Luft enthalten, im Wasser, im Boden, aber auch in der Nahrung. Es kann über die Atmungswege in den Körper gelangen und wie ein Nervengift wirken. Betroffen sind vor allem Kinder. (...)

Quecksilber ist ebenfalls ein weit verbreitetes Metall, das bei der Herstellung von Chlorgas verwendet wird oder für elektrische Schalter. Eingesetzt wird es auch bei der Goldgewinnung aus Erzen. Viele Mineure zum Beispiel in Ghana oder Kambodscha lösen mithilfe von Quecksilber Gold aus gewaschenem Sand. Dabei atmen sie die Dämpfe ein, die dann wie ein Nervengift wirken oder Lungen und Magen angreifen.

Chrom führen die Autoren an dritter Stelle ihrer Rangliste. Das Metall wird zum Beispiel bei der Ledergerbung verwendet oder entsteht beim Schweißen von Stahl. Chrom kann Krebs verursachen. Ein großes, aber meistens natürliches Umweltproblem ist das Vorkommen von Arsen im Grundwasser verschiedener Staaten Südostasiens. Das Gift wird im Körper gespeichert und kann langfristig tödlich sein.

Pestizide werden in den Entwicklungsländern in großen Mengen in der Landwirtschaft oder gegen Malaria eingesetzt. Mit dem Regenwasser gelangen sie dann ins Grundwasser und schließlich in die Trinkwasserversorgung. Ebenfalls auf der Giftliste stehen Radionuklide etwa aus dem Uranabbau. (...) [weiter]